Barrierefreiheit zwischen Legacy-Frust und ISO-Standard

Speakers:

Arne Bode

Dr. Irmhild Rogalla (Wissenschaftliche Leiterin, Institut für Digitale Teilhabe, HS Bremen)

Scheduled time: Sat, 11:00 - Room V5 - Duration 60 Min.

Barrierefreiheit scheitert in Open-Source- und Verwaltungsprojekten selten am Willen der Community, sondern an strukturellen Hürden – dem "Bermuda-Dreieck" aus fehlenden Ressourcen, falschen Testprozessen und einem Vakuum auf der Entscheider-Ebene.

Dieser Vortrag analysiert anhand einer Fallstudie an einem Legacy-System im öffentlichen Sektor, warum Entwickler*innen beim Thema Inklusion oft gegen Wände laufen. Die Praxis zeigt: Wenn Barrierefreiheit nicht architektonisch verankert ist und das Budget-Commitment "von oben" fehlt, wird die Umsetzung zum Kampf gegen Windmühlen. Verschärft wird dies durch klassische Testprozesse, die Accessibility als "nicht-funktionales Merkmal" bestenfalls im Akzeptanztest verorten und so zum teuren, nervigen "Add-on" degradieren.

Doch wie entkommt man diesem Teufelskreis? Wir stellen die ISO 30071-1 vor, als mächtiges Werkzeug für Tech-Teams. Die Norm belegt schwarz auf weiß, dass Barrierefreiheit keine reine Coding-Aufgabe ist, sondern eine "Organizational Policy" erfordert. Wir rüsten euch mit Argumenten aus, um Ressourcen aktiv einzufordern und Barrierefreiheit aus der "Nice-to-have"-Ecke zu holen – auch und gerade dann, wenn die Entscheider nicht im Raum sind.