Richtig schlecht über Technik schreiben Wie versemmelt man gepflegt einen technischen Text? Genau das klären wir in unserem Vortrag. Und schaffen direkt Abhilfe. Freitagnachmittag, kurz vor halb Sechs in Deutschland. Für den wohlverdienten Feierabend fehlen nur noch die Quartalszahlen aus dem letzten Jahr. Sie stecken in irgendeinem alten Dokument in den Untiefen des eigenen Rechners. Netterweise gibt es für solche Fälle den Spürhund Grep. Die Internetsuchmaschine des Vertrauens zaubert rubbeldiekatz dessen deutsche Anleitung hervor. Eine Stunde später klebt das bereits im Wochenende weilende Hirn immer noch am Satz „Reguläre Ausdrücke werden analog zu arithmetischen Ausdrücken aufgebaut: Sie werden mit Hilfe verschiedener Operatoren aus kleineren Ausdrücken zusammengesetzt.“ [https://manpages.debian.org/testing/manpages-de/grep.1.de.html] Nicht nur in der Dokumentation von Grep warten zahlreiche Sätze, die geneigte Leser und Leserinnen erst nach mehrmaligen Anläufen oder dem Kauf von überteuerten Fachbüchern verstehen. Derlei mysteriöse Wörterschlangen lauern in Blog-Beiträgen, Referenzhandbüchern, Pressetexten und in Masterarbeiten. Jedes gute Unternehmen führt zudem ein Wiki mit hastig aus dem Internet kopierten Textschnipseln, die niemand mehr erklären oder zuordnen kann. PR-Agenturen verstecken die eigentlichen Informationen gut unter einem Berg inhaltsleerer Sätze und trendigem Denglisch. In jedem Fall begrünen die Textwüste unpassende Screenshots des Grauens, an denen nichtssagende Bildunterschriften kleben. Damit niemand mehr über diese Stolperfallen -äh- stolpert, verpetzen wir sie ungeniert in unserem Vortrag. Angefangen bei lustig hüpfenden Deppenapostrophen, über rumpelnde Passiva und chaotische Wiki-Einträge bis hin zu unfreiwillig komischen Illustrationen stellen wir infernalische Stilmittel anhand von Praxisbeispielen vor. Da wir eigentlich ganz nett sind, verraten wir auch gleich noch, wie man diese Fettnäpfchen vermeidet und lebendig über Technik schreibt. Das gelingt mit ganz einfachen Maßnahmen. Oder für das obere Management: Wir sharen super-tighte Best Practices mit maximalem ROI. Die damit erzielten Ergebnisse vermitteln leichter technisches Wissen, ihre fesselnden Inhalte halten außerdem Leserinnen und Leser länger auf der Website. Wir schöpfen dabei nicht nur aus unseren Alltagserfahrungen als IT-Journalisten, sondern auch aus unseren eigenen Fehlern. Die wir selbstverständlich heutzutage nicht mehr machen. Meisten jedenfalls. Carina Schipper Reuß zieht als stellvertretende Chefredakteurin des Linux-Magazins unermüdlich in den Kampf gegen Passiv-Konstrukte, zeilenverschlingende Schlangensätze und blähendes Geschwafel. Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker. Als wäre das nicht schon Expertise genug, folgte nach dem (zumindest aus seiner Sicht) äußerst erfolgreichen Universitätsabschluss ein schnelles Abgleiten in den IT-Journalismus, mehrere Buchveröffentlichungen und einige Arbeiten als Video-Trainer. Er weiß also genau, wie man möglichst wenige Informationen in möglichst viel Text unterbringt, um so aus den Verlagen das maximale Honorar herauszupressen. Nein, nein, und einige. Das sind die Antworten auf die Fragen des Chemnitzer-Linux-Tag-Komitees, die dieser Text beantworten sollte. Und gleichzeitig ein schönes Beispiel für fehlendes Hintergrundwissen: Viele Texte setzen Wissen voraus, das den Leserinnen und Lesern noch fehlt. Deutlich verständlicher wird es, wenn man ein wenig vom Kontext verrät. So planen wir keine praktischen Vorführungen und setzen bei den Zuhörerinnen und Zuhörern nur das übliche Allgemeinwissen voraus. Einige Literaturvorschläge haben wir ebenfalls im Gepäck. Deren Lektüre empfiehlt sich generell zur umfassenden Vor- und Nachbereitung unseres granatenmäßig recherchierten Vortrags. Unsere erste Empfehlung hat der bereits verstorbene, aber bis heute als Journalisten-Papst gefeierte Wolf Schneider geschrieben. Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert, sollte das Buch jeder gelesen haben, der häufiger Texte schreibt: Wolf Schneider Deutsch für Profis Goldmann-Verlag ISBN 978-3-442-16175-1 Auf Texte für das Internet geht das folgende spätere Werk von ihm ein: Wolf Schneider Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt Rowohlt Taschenbuch (Rororo) ISBN 978-3-499-62629-6 Unterhaltsamer sind die Bücher von Bastian Sick, allen voran: Bastian Sick Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod KiWi-Taschenbuch ISBN 978-3-462-03448-6 Erreichen kann man uns selbstverständlich auch. Carina lässt sich via carina.schipper@computec.de kontaktieren, Tim ist über info@tim-schuermann.de ansprechbar. Zumindest meistens. Die beiden kann man übrigens auch buchen. Nur nicht für Firmenfeiern.