xrandr

Linux-Tage-Weihnachtskalender: 19. Türchen

Stefan Bauer, 19.12.2008

xrandr

Open Source lebt von Innovation und vor allem steter Weiterentwicklung. So werden gute Ideen durch die Gemeinschaft aufgegriffen und weiterverfolgt, während Konzepte die sich nicht bewähren konnten, abgelöst werden.

Besonders viel Entwicklung gab es in den letzten Monaten rund um die Grafik-Treiber des X.org-Projektes. Neben der verbesserten Hardwareunterstützung wurde auch eine Problematik angegangen, die vor allem für Laptop-Nutzer von Bedeutung ist: Die Rede ist von der X Resize and Rotate Extension - kurz RandR. Über dieses Framwork wird den Nutzern ermöglicht, on-the-fly die Auflösung des Bildschirms zu ändern oder zusätzliche Ausgänge zu aktivieren. Was bisher nur über mühseliges Bearbeiten der Konfigurationsdatei mit anschließendem Neustart des X-Servers möglich war, erledigt nun ein kleines Kommandozeilentool namens xrandr. xrandr zeichnet sich vor allem durch seine vergleichsweise einfache Syntax und große Flexibilität aus, was hier an ausgewählten Beispielen gezeigt werden soll:

1. Erkannte Ausgänge auflisten

xrandr ohne Parameter aufgerufen listet die aktuellen Einstellungen für alle Ausgänge auf:

$ xrandr
Screen 0: minimum 320 x 200, current 1280 x 800, maximum 1280 x 1280
VGA connected (normal left inverted right)
1024x768       60.0  
800x600        60.3  
640x480        59.9  
LVDS connected 1280x800+0+0 (normal left inverted right) 331mm x 207mm
1280x800       60.0*+   50.0  
1024x768       60.0  
800x600        60.3  
640x480        59.9  
TV disconnected (normal left inverted right)

Aus dieser Ausgabe kann man ablesen, dass die Grafikkarte drei Ausgänge hat, die "VGA" (externer Monitorausgang), "LVDS" (Laptop-Bildschirm) und "TV" (S-Video-Ausgang) heißen. Die Ausgänge VGA und LVDS sind mit einem Bildschirm verbunden, der die angezeigten Auflösungen (genannt "Modes") unterstützt.

2. Auflösung auswählen

Mit folgendem Befehl wird die Auflösung geändert:

xrandr --output VGA --mode 1024x768

Die gewünschte Auflösung muss dabei unter 1. aufgelistet worden sein, sonst klappt es nicht auf Anhieb und man muss einen neuen Mode hinzufügen.

xrandr --output VGA --auto

...stellt automatisch die günstigste Auflösung ein, was besonders bei TFTs sehr gut funktioniert.

3. Für Präsentationen: Bildschirm klonen

Hier zeigt sich, wie intuitiv das Tool zu bedienen ist:

xrandr --output VGA --same-as LVDS

Es empfiehlt sich, vorher auf beiden Displays die gleiche Auflösung einzustellen, sonst wird der kleinere Bildschirm beschnitten.

4. Für's Büro: Mehrbildschirm-Setup

Kann es einfacher gehen? :)

xrandr --output VGA --left-of LVDS

Ein Stolperstein soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: Es gibt Höchstgrenzen für die größe des zusammengesetzten Bildes, an die man je nach Treiber mehr oder weniger leicht stößt. Diese Grenze wird mit dem Eintrag Virtual in der SubSection "Display" der Section "Screen" in der xorg.conf gesetzt und muss ggf. erhöht werden.

To be continued...

Xrandr bietet noch eine Vielzahl weiterer Optionen, wie zum Beispiel Drehen oder Spiegeln des Bildschirminhaltes. Für diejenigen, die sich ein komfortables grafisches Front-End wünschen, existieren auch Lösungen für KDE (krandrtray) und Gnome (gnome-randr-applet).

Stefan Bauer gehört zum CLT-Team und wird 2009 in der Praxis Dr. Tux anzutreffen sein.
zuletzt bearbeitet am 18.12.2008 von Stefan Bauer